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„Wir erkennen zu wenig die ökologische Komplexität …“ PDF 
Montag, 28. September 2009 um 08:40 Uhr

Ein Interview mit Prof. Andreas Schmittner, Professor am “College of Oceanic and Atmospheric Sciences” an der Oregon State University und ehemaliger Abiturient des JGH.

Redaktion:
Herzlich willkommen an alter Wirkungsstätte, haben Sie Ihre ehemalige Schule denn wiedererkannt? 

Prof. Schmittner:
Ja, natürlich. Aber ganz offensichtlich fehlt ein Teil. Die Lücke, die das Einser-Gebäude hinterlassen hat, ist wahrlich beträchtlich.

Redaktion:
Hatten Sie nach Ihrem Abi 1986 noch Verbindungen zum Johanneum?
Prof. Schmittner: Nein, ich muss gestehen, überhaupt nicht. Seit meinem Abitur vor über 20 Jahren war ich nicht mehr hier, merke, dass sich vieles verändert hat.

Redaktion: 
Sie verbrachten seit eben jenem Abitur viele Jahre im Ausland, dozieren jetzt als Professor an der Universität in Oregon. Was sind dort die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Prof. Schmittner:
Man kann sagen, überwiegend und hauptsächlich auf dem Gebiet der Klimaforschung und den daraus resultierenden Konsequenzen für unser jetziges und zukünftiges Leben. Es geht im Grunde ganz fundamental um das gesamte Ökosystem.

Redaktion: 
Ist es ein Vorurteil, dass gerade in diesem grundlegenden und für die Menschheit im wahrsten Sinne überlebenswichtigen Terrain die Vereinigten Staaten im Bewusstsein und in politischen Maßnahmen beträchtlich hinterherhinken? 

Prof. Schmittner:
Gerade die Bush-Regierung hat durch Leugnung wissenschaftlicher Fakten dieses Urteil fundiert. Dies ist aktuell gottseidank anders, unter Obama hat sich einiges verändert.

Redaktion: 
Veränderungen werden nicht nur von Wissenschaftlern stetig mit absoluter Dringlichkeit gefordert, die Reaktionen auf politischer Seite sind mit Zögerlichkeit vornehm umschrieben. Hat unsere Welt überhaupt noch eine Chance, die schlimmsten ökologischen Folgen abzuwenden?

Prof. Schmittner:
Grundsätzlich denke ich positiv, auf jeden Fall ist vieles noch zu korrigieren. Aber das verlangt tatsächlich und ganz, ganz dringend tiefgreifende Bewusstseinsveränderungen, sonst gibt es schlimmste Katastrophen vor allem für zukünftige Generationen.

Redaktion:
Was sind für Sie die nachhaltigsten Bedrohungen?

Prof. Schmittner:
Ganz gewiss in Dürren, dem Ansteigen des Meeresspiegels und  davon abhängig in tiefgreifenden Änderungen im Ökosystem. Es geht auch um biologische Veränderungen, die wir in ihrer Komplexität noch nicht einmal genau genug kennen.

Redaktion:
Die Aula füllt sich in der nächsten Stunde mit naturwissenschaftlich interessierten Oberstufenschülern. Schildern Sie uns kurz Ihren Karriereweg.

Prof. Schmittner:
Es soll nicht überheblich klingen, aber die Wegestationen seit meinem Abitur waren schon aufregend. Begonnen habe ich mein Grundstudium in Gießen, absolvierte in Bremen mein Hauptstudium in der Physik, fertigte daran anschließend in der Schweiz meine Doktorarbeit an. Von Kanada aus führte mich mein Weg über etliche Zwischenstationen nach Oregon.

Redaktion: 
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die mit Sicherheit schweren zukünftigen Aufgaben. 

Günter Schütz

 
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