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Vorträge zum Thema "Erziehungsprobleme" PDF 
Freitag, 05. März 2010 um 09:28 Uhr
Aktuelle Sozialisations- und Erziehungsprobleme im Fokus von Johanneum-Veranstaltungen

Konflikte gerade zwischen Eltern und Jugendlichen, Probleme des World Wide Web bis hin zur Spielsucht und schließlich Gewaltprävention waren Themen, die das Johanneum-Gymnasium innerhalb von Veranstaltungen für Lehrer, Eltern und Schüler während der letzten Monate aufgriff.
Bereits gegen Ende 2009 nahmen die 8. Klassen des Johanneums an einer von der Volksbank Herborn-Eschenburg organisierten Präventionsveranstaltung zur Problematik des Datenmissbrauchs im Internet teil. Götz Schartner dokumentierte in seinem Vortrag augenfällig, welche Sicherheitslücken und Risiken selbst für erfahrene Internetnutzer bestehen. Schartner, der beruflich im Auftrag von Unternehmen und Behörden deren Rechner auf Datensicherheitsprobleme hin überprüft, demonstrierte an Hand von praktischen Fallbeispielen, wie leicht es für routinierte Hacker ist, SMS-Nachrichten mitzulesen, das Handy als Wanze zu missbrauchen, gutgemeintes Chatten bis hin Straftaten zu missbrauchen oder leichtsinnig ins Netz gestellte Daten bzw. Fotos zu klauen. Mit Strafen bis zu mehreren tausend Euros warnte er die jungen Zuhörer vor unerlaubtem Herunterladen von Songs oder Videos. In der Veranstaltung wurde den Jugendlichen deutlich gemacht, welche Wertigkeit Aufklärungsarbeit in Sachen Internetsicherheit gerade aktuell besitzt.

Jörg Schormann von der AGGAS bei seinem Vortrag


Im Gefolge dieser Präsentation stellte der neue Leiter der AGGAS in Dillenburg, Jörg Schormann in einer breiten Themenpalette Gefahren des Medienmissbrauchs den Schulelternvertretern des Johanneums in der Aula vor. Gefahren und Straftaten moderner Medien sind längst im Alltag virulent und auch in Schulen massiv spürbar. Mobbing per Handy, hier etwa das verbotene Weitergeben von persönlichen Daten oder Gewaltvideos, die Typologie der Spielsucht im World Wide Wibe samt der immer bedrohlicher werdenden Probleme von Kinderpornographie waren ob ihrer Alltagspräsenz schockierende Phänomenbeispiele der gut zweistündigen Power Point Präsentation.
Ebenfalls auf reges Interesse der knapp einhundert Zuhörer stieß ein Vortrag des Siegener Jugendpsychotherapeuten Wilfried Petri zum Thema „Pubertät und ihre Grenzen.“ Der auch als Gutachter in Sorgerechtsfragen tätige Angestellte der Kinderklinik in Siegen begann sein Referat mit der provokanten These, dass gelingende Erziehung eine starke psychische Stabilität der Eltern voraussetze. Diese Stärke zeigt sich nach Petri in der Bereitschaft, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen, klare Standpunkte zu vertreten und sich von den Kindern in puncto Regeln nicht in die Enge treiben zu lassen: „Je mehr Konflikte Sie heute haben, um so weniger haben Sie langfristig.“ Für Petri bedeutet dies das bewusste Verlassen des bequemen Weges der Konfliktvermeidung. Es sei zum Beispiel wichtig, dass Kinder verzichten lernen, man also nicht jeden ihrer Wünsche gleich erfülle: „Lassen Sie Ihre Kinder ruhig warten. Alles, was einem sofort nachgeworfen wird, ist wertlos.“  Am Ende seines Vortrages hob der Referent die Verantwortung der Eltern hervor, selbständiges Arbeiten und Erfüllen von Pflichten zu fördern. Nichtsdestotrotz müsse man auch den Eltern Fehler in der Erziehung zugestehen. Provokant und diskussionsfördernd wie der Einstieg auch Petris Schlusssatz: „Kinder entwickeln sich auch trotz Erziehung.“
Auf Initiative der Johannea ist für Herbst 2010 eine Vortragsreihe mit Prof. Pfeifer, dem ehemaligen Justizminister von Nordrhein-Westfalen, zu der bereits in den genannten Vorträgen angerissenen Problematik der Gefahren übermäßigen Medienkonsums angedacht. Pfeifer gilt bundesweit als profunder Experte und Kenner gerade  dieser Problemfelder.

Karl-Friedrich Schutte
Günter Schütz

 
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