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Ein Interview mit Florian Schäfer über sein Forschungsprojekt.
Florian Schäfer belegte am 19.03.08 beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ den vierten Platz. Herzlichen Glückwunsch!
Redaktion: Ihre Projektarbeit findet in der Öffentlichkeit viel Beachtung. Was hat Sie zu diesem ungewöhnlichen Projekt motiviert?
F. Schäfer: Den Anstoß dazu erhielt ich im Sommer 2008 bei einem Besuch des Vogelparks in Uckersdorf, wo mir die Verhaltensweisen der Lisztaffen aufgefallen sind. Ich hatte schon von dem Storchenprojekt im letzten Schuljahr an unserer Schule in Zusammenhang mit „Jugend forscht“ gehört und nach weiteren Anregungen durch Frau Neuhäuser und Frau Ringkowski entschloss ich mich zu einem ähnlichen Forschungsprojekt mit Affen.
Redaktion: Schildern Sie bitte den weiteren Verlauf Ihrer Arbeit …
F. Schäfer: In den darauffolgenden Herbstferien 2008 hatte ich Zeit, die Tiere eine Woche eingehend zu beobachten und zwar nach Aktivitätsmustern, die ich in 4 Bereiche unterteilte, u. a. in Nahrungsaktivitäten, Bewegungen durchs Gehege, sozialen Aktivitäten sowie Interaktionen mit den Besuchern. Hinzu kam über die Monate ein eingehendes Fachliteraturstudium, was bisher mit Lisztaffen hinblicklich ihres Verhaltens untersucht wurde. Dort fand ich weitere Anstöße zum Fortführen der bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse. Es begann mit dem Bau aus Plexiglas bestehender Futterapparaturen die praktische Phase meines Projektes. So baute ich eine Schiebekiste mit 2 Kammern und Deckel, die man nach beiden Seiten verschieben konnte. Die Tiere konnten von außen die Futterrationen, etwa Heuschrecken, durch das Plexiglas sehen.
Redaktion: Um welche Tiere handelt es sich genau?
F. Schäfer: Es handelt sich um vier männliche Lisztaffen unterschiedlichen Alters, eine regelrechte „Junggesellenriege.“
Redaktion: Wie sahen die anschließenden Versuche aus und welche Ergebnisse brachten sie?
F. Schäfer: Insgesamt möchte ich vorausschicken, dass es ungemein motivierte, das Lernverhalten der Affen zu beobachten. Das zeigte sich schon beim geglückten ersten Versuch. Nach entsprechendem Verschieben hin zum Nahrungsfach lernten die Tiere schnell sich ihre Nahrung zu holen. Die zweite Versuchsreihe stellte die Lisztaffen dann aber vor große Probleme. Undurchsichtige Klappkisten mussten per Deckelöffnen betätigt werden, um an Nahrung zu gelangen. Diese Aufgabe bewältigten die Tiere nicht, verloren danach das Interesse. Danach modifizierte ich den Versuch, in dem ich wieder durchsichtiges Plexiglasmaterial für die Deckel verwendete. Immerhin schaffte es dann ein Affe, die Kiste per Deckel zu öffnen. Der dritte Versuch mit einer langen Platte und Schiebelöchern war dann erfolgreicher. Kurzum: Ich konnte das Lernverhalten der Tiere facettenreich beobachten. Die Ergebnisse aus den Versuchsreihen, und ich plane bereits eine nächste, bestätigen die bisherigen wissenschaftlichen Thesen über das Verhalten der Lisztaffen.
Redaktion: All das müsste doch zu einem entsprechenden Studium motivieren …
F. Schäfer: Das ist so. Ich möchte Biologie und hier Verhaltensforschung studieren. Aber ich habe mich noch nicht genau entschieden.
Redaktion: Ist ergänzend zum wissenschaftlichen Interesse auch ein emotionaler Bezug zu den Tieren entstanden?
F. Schäfer: Ganz gewiss. Ich gehe auch davon aus, dass sie mich selbst nach wochenlanger Abwesenheit erkennen. Für sie bin ich wohl der „Herr der Heuschrecken“, sie verspeisen sie mit Vorliebe. Der Kontakt zu den Tieren ist natürlich in den Ferien besonders intensiv, da bin ich jeden Tag vor Ort. Während der Schulzeit reicht die Zeit nur für sporadische Besuche.
Redaktion: Fanden Sie sich in Ihrer Arbeit unterstützt und wie sieht die weitere Planung aus?
F. Schäfer: Einiges habe ich bzgl. meiner Arbeitsplanung schon angedeutet. Auf jeden Fall möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei denen bedanken, die mich wirklich vorbildlich schulisch und vor Ort unterstützten, in allererster Linie gilt das für meine Betreuungslehrerinnen, Frau Neuhäuser und Frau Ringkowski, sowie Herrn Wolfgang Rades, dem Leiter des Vogelparks in Uckersdorf. Sehr wünsche ich mir, in naher Zukunft in größere Zoos gehen zu dürfen, um wissenschaftliche Ergebnisse zu generalisieren. Mir ist auch wichtig, dass eine breite Öffentlichkeit die Relevanz solcher Forschungsarbeiten versteht. Gerade für bedrohte Tierarten ist das Untersuchen ihres Verhaltens schon deshalb wichtig, weil auf Grund ihres dezimierten Bestandes und bedrohter Lebensräume in der Zukunft ihre vorrangige Haltung in Zoologischen Gärten wahrscheinlich ist. Und genau die muss einfach artgerecht sein. |